Die Bundesregierung plant, die Spirituosensteuer bis 2029 fast zu verdoppeln. Wein bleibt steuerfrei. Kleine Produzenten zahlen die Zeche. Ein Kommentar aus dem Laderalltag.
Ahoi, ihr Genießer.
Es gibt Neuigkeiten aus Berlin – und die schmecken so gar nicht nach gutem Whisky.
Die Bundesregierung plant, die Alkoholsteuer auf Spirituosen schrittweise fast zu verdoppeln: von aktuell 13,03 Euro auf 18,53 Euro pro Liter reinem Alkohol im Jahr 2027, weiter auf 22,03 Euro im Jahr 2028 – und schließlich auf 26,05 Euro im Jahr 2029. Klingt erstmal nach Gesundheitspolitik. Ist es aber nicht.
Wein steuerfrei. Bier fast nix. Spirituosen: volle Breitseite.
Das ist die Realität des deutschen Steuersystems – und sie war schon vor dieser geplanten Erhöhung schief. Spirituosen tragen heute bereits rund 70 Prozent des gesamten Alkoholsteueraufkommens in Deutschland. Obwohl sie gerade mal 4 Prozent des tatsächlichen Alkoholkonsums ausmachen.
Wer seinen Feierabend-Riesling genießt, zahlt null Steuer. Wer sich bewusst einen hochwertigen Single Malt gönnt, wird seit Jahren am stärksten zur Kasse gebeten. Und jetzt soll es noch schlimmer werden.
Die Logik dahinter? Kurz gedacht.
Der Konsum von Spirituosen geht seit Jahren zurück. Menschen trinken weniger, aber bewusster. Genau das ist doch das Ziel jeder vernünftigen Gesundheitspolitik, oder?
Stattdessen denkt Berlin: Die Einnahmen sinken – also einfach den Steuersatz raufschrauben. Aber wer weniger kauft, weil er bewusster genießt, kauft bei einer Verdoppelung der Steuer halt noch weniger. Oder er kauft im Ausland. Die EU hat keine harmonisierten Alkoholsteuern – in Polen, Frankreich oder den Niederlanden ist es deutlich günstiger. Grenznahe Einkäufe werden attraktiver, der deutsche Handel verliert, die Steuereinnahmen sinken trotzdem. Ziel verfehlt.
Wen trifft das wirklich?
Nicht die großen Konzerne, die ihre Margen auf Millionen Flaschen verteilen können. Sondern kleine Brennereien, lokale Produzenten, handwerkliche Abfüller.
Ein Destillateur wie Karl Müller aus dem Kochertal, der seinen Obstbrand mit Herzblut und lokalem Obst brennt, zahlt dieselbe Steuer wie ein Konzernprodukt aus der Fabrik. Nur dass er den Aufpreis nicht auf Millionen Flaschen verteilen kann. In Deutschland gibt es laut Statistischem Bundesamt über 10.000 zugelassene Brennereien – überwiegend kleine und mittelständische Betriebe in ländlichen Regionen. Genau diese Betriebe werden durch eine weitere Steuererhöhung am härtesten getroffen.
Was wir davon halten
Wir sind keine Politiker. Und wir predigen hier keine Abstinenz – das wäre irgendwie unpassend für eine Crew, die ihr Leben dem bewussten Genuss gewidmet hat.
Aber wir sagen klar: Wer weniger, aber besser trinkt, sollte nicht doppelt bestraft werden. Wer kleine Produzenten unterstützt statt im Supermarkt zu greifen, sollte nicht das Gefühl haben, dafür büßen zu müssen. Bewusster Genuss ist nicht das Problem. Er ist die Lösung.
Und eine Steuerpolitik, die Wein komplett ausnimmt, Bier kaum belastet und Spirituosen verdoppelt – während gleichzeitig der Konsum sinkt und kleine Handwerksbetriebe ums Überleben kämpfen – ist keine Gesundheitspolitik. Es ist Flickschusterei am Haushalt auf Kosten der Falschen.
Kurs halten, gut trinken.
Käpt’n Matero & die Crew von Artsequence Spirits
Gelbinger Gasse 7 · Schwäbisch Hall · Di–Sa 11–17 Uhr



