Wenn der Staat Handwerk bestraft — dürfen Brennereien das einfach hinnehmen?

Stell dir vor: Du führst seit Generationen eine Brennerei. Dein Großvater hat sie aufgebaut, dein Vater hat sie weitergeführt, du hast sie übernommen. Und jetzt kommt Berlin und sagt: Wir erhöhen die Alkoholsteuer. Nicht weil ihr etwas falsch gemacht habt. Sondern weil der Haushalt ein Loch hat.

Genau das passiert gerade in Deutschland. Und eine Gruppe von Brennereien kämpft zurück.

Was ist passiert?

Im Münsterland haben sich 21 Brennereien zur „Allianz Kulturerbe Münsterländer Kornbrennereien“ zusammengeschlossen und richten einen offenen Brief an die Abgeordneten aus der Region in Bund und Land. Ihre Botschaft: Die geplante Erhöhung der Alkoholsteuer darf nicht im technischen Kleingedruckten entschieden werden — sie betrifft Familienbetriebe, Arbeitsplätze, landwirtschaftliche Lieferketten, Gastronomie, Tourismus und ein Stück westfälische Identität.

Hinter der Allianz stehen rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter — allesamt in kleinen und mittleren, überwiegend familiengeführten Betrieben.

Die Zahlen, die niemand hören will

Hier ist der Fakt, den die Politik lieber verschweigt: Spirituosen tragen bereits heute rund 70 Prozent zum Steueraufkommen aller alkoholischen Getränke bei — machen aber nur 4,6 Prozent des Gesamtkonsums aus.

Das bedeutet: Eine Branche, die einen verschwindend kleinen Teil des Alkoholkonsums ausmacht, zahlt schon heute überproportional viel. Und soll jetzt noch mehr zahlen.

„Für viele von uns mittelständischen familiengeführten Unternehmen wäre eine Steuererhöhung auf Spirituosen existenzgefährdend — obwohl dadurch fiskalpolitisch nichts gewonnen wäre“, heißt es im offenen Brief der Allianz.

Kulturerbe mit Ablaufdatum?

Die handwerkliche Brennkunst ist in Deutschland als Immaterielles Kulturerbe anerkannt. Die Deutsche UNESCO-Kommission beschreibt sie als lebendiges Wissen und handwerkliches Können, das von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Rüdiger Sasse, Sprecher der Allianz und Inhaber der Feinbrennerei Sasse, bringt es auf den Punkt: „Man kann nicht erst das Handwerk als Kulturgut anerkennen und ihm kurz darauf die wirtschaftliche Grundlage entziehen.“

Und weiter: „Die Politik spricht gern von ländlichen Räumen, regionaler Wertschöpfung und Kulturerbe. Jetzt muss sie zeigen, ob diese Worte etwas wert sind.“

Was die Allianz fordert

Die Brennereien fordern keine Sonderbehandlung. Sie fordern Augenmaß: eine Begrenzung der Erhöhung, eine verbindliche Evaluation der Auswirkungen auf Konsum, Steueraufkommen und Arbeitsplätze sowie einen mittelstandsverträglichen Einführungstermin. Langfristig soll Deutschland zu einem gleichmäßigen Alkoholsteuersystem nach dem Liter reinen Alkohols kommen — und Korn fair im Alkoholsteuergesetz behandelt werden.

Warum uns das auch angeht

Wir sind kein Kornbrenner. Aber wir kennen das Prinzip: kleine Betriebe, handwerkliche Produkte, regionale Verwurzelung. Genau das, wofür Artsequence steht — und genau das, was eine pauschale Steuererhöhung trifft.

Wer ein selbst gefülltes Fass hat, wer kleine Abfüller unterstützt, wer auf handverlesene Ware setzt — der spürt sowas. Nicht als Statistik. Sondern am Ende des Jahres in der Kalkulation.

Die Münsterländer Kornbrenner haben angefangen zu reden. Gut so.

Artsequence Spirits, Schwäbisch Hall.

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