Wer versteckt seinen Whisky in einer Eisenbahnbrücke?

Ahoi, ihr Landratten und Genussfreunde!

Käpt’n Matero hier, frisch von einer Erkundungsfahrt durch die sächsischen Gewässer des Vogtlands – und was ich da entdeckt hab, das musste sofort ins Logbuch. Denn während wir uns hier in Schwäbisch Hall Gedanken machen, wo wir unsere Fässer am besten verstauen, hat sich im Vogtland eine Bande aus Bürgermeister, Braumeister und Bahn-Ingenieuren zusammengetan und einen Whisky an einem Ort reifen lassen, den sich selbst ein Pirat nicht besser hätte ausdenken können: mitten in einer Eisenbahnbrücke.

Die größte Ziegelsteinbrücke der Welt als Schatzkammer

Die Göltzschtalbrücke im Vogtland ist kein gewöhnliches Bauwerk. Sie gilt als die größte Ziegelsteinbrücke der Welt und trägt seit fast 180 Jahren Züge über das Tal der Göltzsch. Was kaum einer weiß: In ihrem Inneren gibt es Hohlräume, die sich hervorragend zum Reifen von Spirituosen eignen sollen – zumindest, wenn man Blend Master Thomas Michalski von der Dresdner Whisky Manufaktur glauben schenkt.

Die Idee dazu ist nicht am Reißbrett entstanden, sondern bei einem zufälligen Treffen im Pariser Louvre. Netzschkaus Bürgermeister Mike Purfürst und Michalski trafen sich dort auf einer Sachsen-Ausstellung – der eine, um für seine Brücke zu werben, der andere für seinen Whisky. Ein paar Gläser später stand die Schnapsidee im wahrsten Sinne des Wortes: Warum nicht zwei Fässer direkt in der Brücke reifen lassen?

Von der Schnapsidee zur Schatzkiste

Gesagt, getan. Mit dem Segen der Deutschen Bahn – immerhin verantwortet Bezirksleiter Markus Fischer fast 600 Bahnbrücken in Südwestsachsen – wanderten zwei 225-Liter-Fässer aus der Sächsischen Weinstraße, zuvor mit Spätburgunder befüllt, ins Innere des Bauwerks. Gefüllt wurden sie mit dem Single Malt HELLINGER 42 der Dresdner Whisky Manufaktur.

Wo genau in der Brücke die Fässer lagerten, verrät bis heute niemand – Betriebsgeheimnis, sozusagen die Schatzkarte ohne X. Auch wie lange die Reifung dauern sollte, stand von Anfang an in den Sternen. „Der Whisky kommt raus, wenn er schmeckt“, so Michalski – ob nach einem Vierteljahr oder nach vier Jahren, das wollte er nicht vorhersagen. Anders als im gleichmäßig temperierten Basaltkeller, den die Manufaktur zuvor schon mal genutzt hatte, herrschten im Brückeninneren deutlich wechselhaftere Bedingungen. Für die Reifung offenbar kein Nachteil, eher ein Charakterbildner.

Zwei Fässer, ein Zweck

Von den insgesamt 800 Flaschen geht die eine Hälfte an die Stadt Netzschkau selbst. Der Erlös daraus fließt in den Förderverein Göltzschtalbrücke, der damit den Bau einer neuen Fuß- und Radwegbrücke über die Göltzsch mitfinanzieren will. Die andere Hälfte verkauft die Dresdner Whisky Manufaktur direkt – auch hier gehen pro Flasche zehn Euro als Spende an den Förderverein.

Der Verkaufsstart für das Netzschkau-Kontingent ist übrigens kein Zufallsdatum: der 15. Juli, der Jahrestag der ersten Befahrung der Brücke.

Käpt’n Materos Fazit

Ich hab in meiner Zeit auf See so manchen Ort gesehen, an dem Rum und Whisky gelagert wurden – Höhlen, Kellergewölbe, sogar ein altes Schiffswrack. Aber eine denkmalgeschützte Eisenbahnbrücke, durch die noch immer täglich Züge donnern, während drinnen heimlich ein Single Malt reift? Das ist selbst für einen alten Seebären eine neue Geschichte. Vielleicht nehm ich mir davon ein Fässchen mit auf meine nächste Reise – wer weiß, was daraus wird, wenn Whisky und Eisenbahngeschichte aufeinandertreffen.

Häufige Fragen zum Göltzschtalbrücken-Whisky

Was ist die Göltzschtalbrücke?
Sie ist die größte Ziegelsteinbrücke der Welt, liegt im sächsischen Vogtland und wird seit fast 180 Jahren von der Eisenbahn befahren.

Wer stellt den Göltzschtalbrücken-Whisky her?
Die Dresdner Whisky Manufaktur, in Kooperation mit der Stadt Netzschkau und der Deutschen Bahn.

Wie viele Flaschen gibt es?
Insgesamt 800 Flaschen aus zwei Fässern – 400 gehen an die Stadt Netzschkau, 400 verkauft die Manufaktur direkt.

Wofür wird der Erlös verwendet?
Für den Förderverein Göltzschtalbrücke, der eine neue Fuß- und Radwegbrücke über die Göltzsch mitfinanzieren möchte.

Wo genau reifte der Whisky in der Brücke?
Das bleibt Betriebsgeheimnis der Dresdner Whisky Manufaktur.

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