Darf der Supermarkt noch Whisky verkaufen?

Stell dir vor: Du willst einen guten Single Malt kaufen. Du gehst wie immer in den Supermarkt deines Vertrauens — aber das Regal ist leer. Spirituosen gibt’s hier nicht mehr. Dafür empfiehlt dir die Kassiererin den neuen behördlich lizenzierten „Alkoholshop“ — irgendwo zwischen Finanzamt und Wartezimmer. Willkommen in der Zukunft, die der Marburger Bund für uns plant.


Wer ist eigentlich der Marburger Bund?

Der Marburger Bund ist der größte Ärzteverband Deutschlands mit rund 130.000 Mitgliedern. Er vertritt angestellte und beamtete Ärztinnen und Ärzte — Menschen, die täglich mit den Folgen von Sucht konfrontiert sind. Das verdient Respekt. Und ihre Sorge ist berechtigt.

Aber manchmal kommen auch von klugen Leuten Ideen, bei denen man kurz schlucken muss. Diesmal ist es keine homöopathische Dosis.


Die Forderung: Spirituosen raus aus dem Supermarkt

Auf der 147. Hauptversammlung in Hannover beschloss der Verband: Hochprozentiger Alkohol soll künftig nur noch in lizenzierten Fachgeschäften — sogenannten „Alkoholshops“ — verkauft werden. Supermärkte, Tankstellen und Kioske sollen komplett raus.

Ehrlich gesagt: Der Supermarkt-Teil klingt gar nicht so abwegig. Wer sich einen guten Whisky gönnen will, soll ruhig den Weg zu einem echten Fachgeschäft auf sich nehmen. Nichts gegen Planung.

Das eigentliche Problem ist ein anderes.


Ein kleiner Ausflug in die Geschichte

Die USA haben das bereits ausprobiert — radikaler als jeder europäische Ärzteverband es sich heute wagt. Von 1920 bis 1933 war Alkohol komplett verboten. Die berühmte Prohibition. Das Ergebnis: Al Capone wurde steinreich, der Schwarzmarkt blühte, und getrunken wurde mehr denn je — nur halt in illegalen Kellern statt beim Abendessen. 1933 schaffte man das Verbot wieder ab und gab stillschweigend zu: Hat nicht funktioniert.

Das Muster kennen wir überall dort, wo Staaten versucht haben, menschliches Verhalten per Dekret abzustellen. Der Mensch ist kreativ. Besonders wenn ihm jemand sagt, er darf etwas nicht.


Ein Schild macht noch keine Fachberatung

Ein lizenziertes Schild über der Tür macht noch keine Fachberatung. Ein „Alkoholshop“ kann genauso anonym und gedankenlos sein wie das Supermarktregal — nur halt mit Stempel.

Was den Unterschied macht, ist nicht der Ort des Verkaufs. Es ist das Wissen dahinter. Die Frage, was im Glas steckt. Woher es kommt. Wie es gemacht wurde. Wer drinsteckt.

Wer zu einem echten Fachhändler geht, fragt nicht nach dem günstigsten Regal. Der fragt nach der Destillerie, nach dem Fass, nach der Geschichte. Das ist der Unterschied zwischen trinken und genießen — zwischen Konsum und Kultur.


Und jetzt?

Der Marburger Bund hat die Aufmerksamkeit und die Bühne. Gut so. Suchtprävention braucht starke Stimmen.

Aber die Lösung liegt nicht in neuen Verbotsschildern. Sie liegt in echter Aufklärung, in Wissen — und in Läden, in denen man lernt, was im Glas steckt, statt es nur rauszustellen.

Verbote haben selten die Welt verbessert. Wissen schon.

Du willst wissen, was wirklich im Glas steckt? Komm vorbei.

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