Warum Tequila zwingend zweimal durch die Brennblase muss

Nach Kochen, Zerkleinern und Fermentation kommt der finale, entscheidende Schritt: die Destillation. Und hier gibt es bei Tequila eine gesetzliche Vorgabe, die viele überrascht – und die sich fundamental von dem unterscheidet, was wir aus unserer Rum-Serie kennen.

Die gesetzliche Pflicht: mindestens zweifach destilliert

Die mexikanische Norm NOM-006-SCFI schreibt zwingend vor, dass Tequila mindestens zweifach destilliert werden muss. Das Ergebnis der ersten Destillation heißt „Ordinario“ und darf noch nicht als Tequila bezeichnet werden – erst nach dem zweiten Durchgang trägt das Destillat zu Recht diesen Namen. Manche Hersteller, etwa Casa Noble oder auch Patrón, gehen noch weiter und destillieren sogar dreifach, was das Destillat leichter, aber auch weniger aromastark macht, da jeder zusätzliche Durchgang etwas vom ursprünglichen Agavencharakter kostet – und gleichzeitig die verwertbare Menge drastisch reduziert.

Pot Still (Alambique): Die traditionelle Brennblase

Die überwiegende Mehrheit aller Tequila-Hersteller setzt auf den Pot Still, in Mexiko Alambique genannt – eine klassische, meist aus Kupfer gefertigte Brennblase, in der chargenweise gebrannt wird (Batch-Destillation). Genau wie bei Rum (siehe unsere Rum-Serie, Teil 9) sorgt der Kupferkontakt dafür, dass unerwünschte Schwefelverbindungen aus dem Destillat herausgefiltert werden. Das Ergebnis ist ein aromareicheres, charaktervolleres Destillat, allerdings mit höherem Arbeits- und Zeitaufwand.

Column Still: Die kontinuierliche Alternative

Deutlich seltener, aber vor allem bei größeren Produzenten im Einsatz, ist die Column Still – ein kontinuierlich arbeitendes Brennsäulensystem, das effizienter und schneller große Mengen produziert. Hier wird es aber technisch interessant: Weil das Gesetz eine mindestens zweifache Destillation vorschreibt, reicht ein einziger Durchgang durch eine reine Column-Still-Anlage rechtlich nicht aus. Deshalb hat sich bei einigen Herstellern (etwa Tequila Asombroso) ein Hybrid-Verfahren etabliert: Der erste Brand erfolgt im Pot Still, der zweite in der Column Still – eine Kombination, die unter Kennern durchaus kontrovers diskutiert wird, weil sie zwei sehr unterschiedliche Destillationsphilosophien miteinander verbindet.

Der seltene Sonderfall: die Tonbrennblase

Eine Randnotiz, die oft für Verwirrung sorgt: Tonbrennblasen (Olla de Barro) werden gelegentlich fälschlich als typisches Tequila-Ausstattungsmerkmal wahrgenommen. Tatsächlich sind sie bei Tequila eine seltene Ausnahme, die nur eine kleine Gruppe besonders traditionsbewusster Artisanal-Hersteller einsetzt. Richtig verbreitet, ja beinahe zur Grundausstattung gehörend, sind Tonbrennblasen dagegen im traditionellen, „ancestralen“ Mezcal – dazu mehr in unserer kommenden Mezcal-Serie.

Warum das für dich als Käufer wichtig ist

Die Destillationsmethode beeinflusst, wie viel vom ursprünglichen Agavencharakter im fertigen Tequila überlebt. Pot-Still-Tequila gilt tendenziell als aromatischer und komplexer, Column-Still- oder Hybrid-Verfahren eher als sauberer, aber auch neutraler. Kombiniert mit den vorherigen Produktionsschritten (Kochverfahren, Extraktionsmethode) ergibt sich daraus die vollständige Handwerks-Kette, die letztlich über den Charakter jeder einzelnen Flasche entscheidet.

Fazit

Zweifache Destillation ist bei Tequila keine Empfehlung, sondern gesetzliche Pflicht – ein deutlicher Unterschied zu Rum, wo die Anzahl der Durchgänge frei wählbar ist. Ob im traditionellen Kupfer-Pot-Still, in der effizienten Column Still oder im umstrittenen Hybrid-Verfahren: Die Wahl der Destillationsanlage ist der letzte große Hebel, bevor der Tequila entweder sofort abgefüllt oder ins Fass zur Reifung wandert.


Häufige Fragen

Warum muss Tequila mindestens zweifach destilliert werden?
Weil dies gesetzlich in der mexikanischen Norm NOM-006-SCFI vorgeschrieben ist. Das Ergebnis der ersten Destillation heißt „Ordinario“ und darf noch nicht als Tequila bezeichnet werden.

Was ist ein Alambique?
Die mexikanische Bezeichnung für einen Pot Still, eine traditionelle, meist kupferne Brennblase, in der Tequila chargenweise destilliert wird.

Kann Tequila komplett in einer Column Still hergestellt werden?
Nicht als alleiniges Verfahren, da ein einziger Durchgang die gesetzliche Pflicht zur zweifachen Destillation nicht erfüllt. Manche Hersteller kombinieren deshalb Pot Still und Column Still in einem Hybrid-Verfahren.

Sind Tonbrennblasen bei Tequila üblich?
Nein, sie sind eine seltene Ausnahme bei wenigen traditionsbewussten Herstellern. Verbreiteter sind sie beim traditionellen, ancestralen Mezcal.


Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell geprüft von Matthias Kaufmann / Artsequence Spirits.


Kommentare

Kommentar verfassen