Wenn du das nächste Mal eine Flasche Tequila in der Hand hältst, mach die Probe: Steht dort irgendwo „100% de Agave“ oder „100% Agave“? Wenn nicht, hältst du höchstwahrscheinlich einen sogenannten Mixto in der Hand – und die meisten Käufer wissen nicht einmal, dass diese Unterscheidung existiert.
Die gesetzliche Grundlage: 51 Prozent reichen
Die offizielle mexikanische Norm NOM-006-SCFI-2012, verwaltet vom Consejo Regulador del Tequila (CRT), kennt im Kern zwei Kategorien. Bei „100% de Agave“ muss der komplette fermentierbare Zucker aus der Blauen Weber-Agave stammen – keine Zusatzstoffe, keine Fremdzucker. Bei der einfacheren, standardmäßigen Kategorie „Tequila“ (ohne den 100%-Zusatz) reichen mindestens 51 Prozent Agavenzucker – die restlichen bis zu 49 Prozent dürfen aus anderen, meist deutlich günstigeren Quellen stammen, in der Praxis vor allem Zuckerrohr oder Maissirup.
Warum diese Grenze bei 51 Prozent liegt
Interessant ist der historische Weg dorthin: Als 1949 die erste offizielle Tequila-Norm entstand, war noch 100 Prozent Agave die einzige zulässige Kategorie. 1964 wurde die Anforderung auf 70 Prozent gesenkt, 1970 schließlich auf die bis heute gültigen 51 Prozent. Diese schrittweise Lockerung folgte vor allem wirtschaftlichem Druck: Agave ist ein langsam wachsender, teurer Rohstoff mit stark schwankenden Preisen – Fremdzucker dagegen billig und sofort verfügbar. Der Mixto entstand also nicht aus Qualitätsanspruch, sondern aus wirtschaftlicher Notwendigkeit, besonders für den wachsenden Massenexport.
Kein Etikettenschwindel, aber auch keine Transparenz
Wichtig zu verstehen: Mixto ist völlig legal, trägt zurecht die Bezeichnung „Tequila“, die DO-Herkunft und die CRT-Zertifizierung. Es handelt sich nicht um Betrug. Das eigentliche Problem liegt woanders: Keine Flasche trägt jemals aktiv die Aufschrift „Mixto“ – das Fehlen der „100% Agave“-Kennzeichnung ist der einzige verlässliche Hinweis. Wer also nicht gezielt danach sucht, geht oft jahrelang davon aus, jeder Tequila bestehe komplett aus Agave.
Zusätzliche Zutaten bei Mixto
Über den Fremdzucker hinaus erlaubt die Mixto-Kategorie häufig auch den Einsatz von Farbstoffen, Aromen und Verdickungsmitteln, um das fertige Produkt geschmacklich und optisch an hochwertigeren Tequila anzunähern. Genau diese Zusatzstoffe sind es oft, die für den schärferen, direkteren „Alkohol-Geschmack“ vieler günstiger Tequilas verantwortlich gemacht werden, während echter 100% Agave milder und komplexer im Abgang wirkt.
Und dann gibt’s noch: Curado
Am unteren Ende der Skala existiert seit 2006 eine noch großzügigere Kategorie namens „Curado“: Hier reichen bereits 25 Prozent Agavenanteil, der Rest darf aus anderen Zuckerquellen stammen, ergänzt um Süßungsmittel, Farb- und Aromastoffe in nennenswerten Mengen. Diese Kategorie zielt auf aromatisierte, oft süße Tequila-Getränke und markiert das andere Extrem zum puren 100%-Agave-Tequila.
Ein Praxis-Detail: Mixto und der internationale Handel
Historisch spielte Mixto auch eine Rolle im internationalen Handelsstreit, den wir im Abschlussartikel dieser Serie noch aufgreifen: Mixto darf, anders als hochwertiger 100%-Agave-Tequila, auch in loser Form (in Tanklastern oder Fässern) exportiert und erst im Zielland abgefüllt werden – ein Umstand, der lange für Streit zwischen Mexiko und den USA sorgte.
Fazit
„Tequila“ allein garantiert dir noch lange keinen reinen Agavenbrand. Erst die explizite Angabe „100% Agave“ stellt sicher, dass wirklich nur die Blaue Weber-Agave im Spiel war. Der Unterschied zwischen beiden Kategorien ist der wohl wichtigste Kaufhinweis der gesamten Tequila-Welt – und gleichzeitig der am leichtesten zu übersehende.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich, ob ein Tequila Mixto ist?
Am Fehlen der Angabe „100% Agave“ oder „100% de Agave“ auf dem Etikett. Es gibt keine aktive Mixto-Kennzeichnung – die Abwesenheit des 100%-Hinweises ist der einzige verlässliche Indikator.
Ist Mixto-Tequila illegal oder gefälscht?
Nein. Mixto ist eine offiziell anerkannte, legale Kategorie innerhalb der mexikanischen Tequila-Norm und unterliegt derselben DO-Herkunftskontrolle wie 100%-Agave-Tequila.
Woraus besteht der Nicht-Agave-Anteil bei Mixto?
Meist aus Zuckerrohr- oder Maissirup, ergänzt häufig um Farb-, Aroma- und Verdickungsstoffe, um Geschmack und Optik an hochwertigeren Tequila anzunähern.
Was ist „Curado“-Tequila?
Eine seit 2006 existierende, noch großzügigere Kategorie mit nur 25 Prozent Mindest-Agavenanteil, meist für aromatisierte, gesüßte Tequila-Getränke verwendet.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell geprüft von Matthias Kaufmann / Artsequence Spirits.

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