Lange bevor die erste Flasche Tequila abgefüllt wurde, war die Agave in Mexiko schon eine heilige Pflanze. Wer verstehen will, warum Tequila mehr ist als nur ein Partygetränk mit Salz und Zitrone, muss bei den Azteken anfangen – und bei einer Göttin mit angeblich 400 Brüsten.
Mayahuel und der heilige Pulque
Die Azteken nannten die Agave „Metl“ und verehrten sie als Personifikation der Göttin Mayahuel, Schutzpatronin der Fruchtbarkeit. Aus dem süßen Saft der Pflanze, dem Aguamiel („Honigwasser“), stellten sie ein mild alkoholisches, fermentiertes Getränk her: Pulque. Das ist wichtig zu verstehen, denn Pulque ist kein Tequila und auch kein Mezcal – es wird nicht destilliert, sondern nur vergoren, ähnlich wie Wein oder Bier. Pulque war den religiösen Zeremonien vorbehalten, diente als Medium zur Götterverbindung bei rituellen Opferhandlungen und war in der aztekischen Bildsprache fest verankert. Erste dokumentierte Hinweise auf Pulque reichen bis etwa 200 bis 300 nach Christus zurück – die Wurzeln der Agavennutzung selbst könnten sogar noch älter sein.
Die Spanier bringen die Destillation
Mit der spanischen Eroberung im 16. Jahrhundert kam eine entscheidende neue Technik nach Mexiko: die Destillation. Historiker sind sich bis heute nicht vollständig einig, auf welchem genauen Weg das Wissen ins Land gelangte – wahrscheinlich über die spanischen Kolonialherren selbst, die bereits mit Branntweinherstellung vertraut waren. Aus dem gegorenen Agavensaft wurde nun erstmals ein destilliertes Getränk gebrannt, das dem heutigen Mezcal deutlich näher stand als dem, was wir heute Tequila nennen.
Die Geburtsstunde des kommerziellen Tequila
Der entscheidende Wendepunkt kam 1758: Don José Antonio de Cuervo erhielt von der spanischen Krone ein Landstipendium in der Nähe der Stadt Tequila im heutigen Bundesstaat Jalisco und begann dort mit der Destillation. Sein Sohn José María Guadalupe Cuervo erhielt 1795 per königlichem Dekret die offizielle Erlaubnis zum kommerziellen Brennen – dieses Jahr gilt vielen als die eigentliche Geburtsstunde des modernen Tequila. Die Familie Cuervo war damit die erste, die Tequila in größerem Maßstab herstellte, und legte den Grundstein für das, was heute eine der bekanntesten Spirituosenmarken der Welt ist.
Sauza und die Blaue Weber-Agave
Über ein Jahrhundert später, 1873, trat die Familie Sauza in die Geschichte ein. Besonders bedeutend: Don Cenobio Sauza, oft als „Vater des Tequila“ bezeichnet, soll maßgeblich dafür gesorgt haben, dass sich die Blaue Weber-Agave als bevorzugte, überlegene Rohstoffsorte gegenüber anderen Agavenarten durchsetzte – ein Prozess, der sich über Jahrzehnte hinzog und erst im 20. Jahrhundert rechtlich festgeschrieben wurde (mehr dazu in unserem nächsten Teil zur Denominación de Origen).
Von Mexiko in die Welt
Tequila verließ Mexiko erst nach der Unabhängigkeit von Spanien 1821 und erreichte die USA 1873. Einen enormen, wenn auch zwiespältigen Schub erhielt die Spirituose während der US-Prohibition (1920–1933): Der Schmuggel von Tequila über die Grenze florierte, während viele andere Spirituosen in den USA nicht verfügbar waren – ein früher, ungewollter Marketingschub für das mexikanische Nationalgetränk.
Fazit
Tequila trägt eine jahrtausendealte Geschichte in sich, die weit vor der ersten kommerziellen Destillerie beginnt: von der heiligen Göttin Mayahuel über den rituellen Pulque bis zur Familie Cuervo, die 1795 den Grundstein für die moderne Industrie legte. Wer das nächste Mal ein Glas Tequila in der Hand hält, hält damit auch ein Stück mesoamerikanischer Religionsgeschichte.
Häufige Fragen
Ist Pulque dasselbe wie Tequila?
Nein. Pulque ist ein fermentiertes, nicht destilliertes Getränk aus Agavensaft und war bereits vor der spanischen Eroberung bei den Azteken bekannt. Tequila entstand erst durch die von den Spaniern eingeführte Destillationstechnik.
Wer stellte den ersten kommerziellen Tequila her?
Die Familie Cuervo gilt als Pionier: 1758 begann Don José Antonio de Cuervo mit der Destillation, 1795 erhielt sein Sohn die offizielle königliche Erlaubnis zum kommerziellen Brennen.
Warum wird gerade die Blaue Weber-Agave für Tequila verwendet?
Historisch setzte sich diese Sorte im 19. und frühen 20. Jahrhundert durch, maßgeblich gefördert von Don Cenobio Sauza. Die Festlegung auf ausschließlich diese Agavensorte wurde später auch rechtlich verankert.
Welche Rolle spielte die US-Prohibition für Tequila?
Während der Prohibition (1920–1933) florierte der Schmuggel von Tequila über die mexikanisch-amerikanische Grenze, was der Spirituose in den USA zu größerer Bekanntheit verhalf.
Erstellt mit KI-Unterstützung, redaktionell geprüft von Matthias Kaufmann / Artsequence Spirits.

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